Lebensgeschichte Jazzmusiker
wissenschaftliche Studie
Wandel von Arbeit

Der Wandel der Erwerbsarbeit lässt sich festmachen an Veränderungen hinsichtlich des Arbeitsvertrags (Erosion des Normalarbeitsvertrags und atypische Beschäftigung), des Arbeitsortes (Flexibilisierung, Globalisierung und Mobilität) und der Arbeitszeit (Flexibilisierung und Ergebnisorientierung).

Das Normalarbeitsverhältnis (unbefristetes und abhängiges Arbeitsverhältnis mit geregelten Lohn) ist nach wie vor die mit Abstand häufigste Beschäftigungsform. Diese Tatsache wirft die Frage auf, warum die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses diskutiert oder dieses sogar als ‚Auslaufmodell‘ angesehen wird.

Diese Betitelung der Normalarbeit als Auslaufmodell lässt sich basierend auf der empirisch feststellbaren Zunahme von Beschäftigungsformen, welche vom Normalarbeitsverhältnis abweichen, begründen. Im Gegensatz zum Normalarbeitsverhältnis stehen so genannte atypische Arbeitsverhältnisse wie sozialversicherungspflichtige Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung, befristete Beschäftigung sowie echte und „unechte“ Selbstständigkeit bzw. „Scheinselbstständigkeit“ (Werkvertrag, Freier Dienstvertrag/ Freelancer) Diese Formen der atypischen Beschäftigung nehmen seit Ende des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der steigenden Nachfrage nach „flexiblen“ Arbeitsformen zu. In Deutschland stehen etwa 30 bis 40% aller Erwerbstätigen in einem atypischen Arbeitsverhältnis, während es in den sechziger Jahren nur 3% waren.  Eine ähnliche Situation spiegelt sich am österreichischen Arbeitsmarkt wider.

Entgrenzung

Vielfach werden die Veränderungen der Arbeit im Vergleich zum klassischen Normalarbeitsverhältnisses mit dem Begriff der 'Entgrenzung' beschrieben.

Nach Voß (1998) kann Entgrenzung „allgemein als sozialer Prozess definiert werden, in dem unter bestimmten historischen Bedingungen entstandene soziale Strukturen der regulierenden Begrenzung von sozialen Vorgängen ganz oder partiell erodieren bzw. bewußt aufgelöst werden“. Konkreter kann Entgrenzung im Zusammenhang mit Arbeit als die Aufhebung von Grenzen beschrieben werden, wie ökonomische Grenzen durch beispielsweise Globalisierung, organisationaler Grenzen durch beispielsweise Outsourcing und interorganisationaler Strukturen durch beispielsweise durch Hierarchieabbau.

Entgrenzung kann als leitende Tendenz im Kontext des Wandels von Arbeitsverhältnissen beschrieben werden und verweist des Weiteren auf die Auflösung der klaren Grenze zwischen Arbeit und Privatleben.

Geschlechterperspektive

Diese Veränderungen der Arbeit sowie Erscheinungen von 'Entgrenzung' haben auch Auswirkungen auf die Geschlechterperspektive. Frauen werden durch diesen Wandel der Erwerbsarbeit vermehrt gezwungen eine Entscheidung für Karriere und gegen Familie zu treffen oder umgekehrt, während Männer sich vermehrt mit früher klassisch weiblichen Situationen konfrontiert sehen. Grundsätzlich scheint sich unter diesen Umständen die Situation für beide Geschlechter stark zu verändern.

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